Geigerzähler für Tschernobyl
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- Geschrieben von Urs Fitze
Mit einer Kleinbusladung voll technischer Ausrüstung, vom Geigerzähler bis zur Laborausrüstung und einem Team von Speazialisten des «Unfall- und Notfallzentrums» ist Rafael Mariano Grossi, Direktor der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) in Tschernobyl eingetroffen, gerade noch rechtzeitig zum 35. Jahrestag des Super-Gaus. Während mehrerer Wochen hatte das Bedienungspersonal nach dem russischen Einmarsch also nicht nur keinen Strom, sondern auch keinerlei Ausrüstung zur Überwachung mehr zur Verfügung. Grassi würdigte sie in einem Statement als «Helden», im Hinterkopf wohl wissend, wie machtlos die IAEO tatsächlich gewesen war. Die täglichen Bulletins zur Lage in der Ukraine spiegen Realität und Ohnmacht zugleich, und die hastig formulierten, in keinem früheren offiziellen Dokument je gesehenen sieben Säulen der nuklearen Sicherheit zeigen nur, wie wenig Beachtung sowohl in internationalen Gremien als auch auf den nationalen Bühnen der Sicherheit der Atomkraftwerke im Krieg geschenkt worden war.
Gletscher-Initiative: Bundesrat präsentiert Gegenvorschlag
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- Geschrieben von Urs Fitze
(fi) Der Schweizer Bundesrat lehnt die vom Verein Klimaschutz Schweiz eingereichte «Gletscher-Initiative für ein gesundes Klima» zwar ab, präsentiert nun aber einen Gegenvorschlag, der die wichtigsten Anliegen der Initiantinnen und Initianten übernimmt. So teilt er das Ziel, Netto-Null-Emissionen bis 2050 zu erreichen. Er spricht sich aber gegen das vorgeschlagene, weitgehende Verbot von fossilen Energieträgern aus (Ausnahmen sind nur gestattet, wenn es keine technischen Alternativen gibt) und will die «nationale Sicherheit» und der «speziellen Situation in Berg- und Randgebieten» Rechnung tragen. Zudem sollen fossile Brennstoffe weiter erlaubt sein, wenn «alternative Technologien wirtschaftlich nicht tragbar sind». Der Verein Klimaschutz Schweiz hat in einer ersten Stellungnahme begrüsst, «dass der Bundesrat grosse Teile des Initiativtexts unverändert übernehmen will.» Der vorgeschlagene Verfassungstext des Bundesrates geht nun in eine dreimonatige Vernehmlassung, zu der alle politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Interessensträger eingeladen sind. Je nach Ergebnis kann der Gegenvorschlag noch überarbeitet werden. Danach entscheiden die beiden Parlamentskammern. Sollte der Gegenvorschlag diese Hürden nehmen, ist es denkbar, dass der Verein Klimaschutz die Initiative zurückzieht. Eine Volksabstimmung ist so oder so zwingend: Verfassungsänderungen bedürfen einer Mehrheit der Stimmenden und der Kantone.
Gletscherbruch auf der Marmolata wird kein Einzelfall bleiben
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- Geschrieben von Davide De Martis
Anfang Juli kam es auf der Marmolata zu einem tödlichen Gletschersturz. Gründe für die Tragödie auf dem grössten Gletscher der Dolomiten sind die Erderwärmung und der Klimawandel, deren Auswirkungen auf die Eisriesen auch durch das aufwändige Auslegen von weissem Vlies nur verlangsamt und nicht gestoppt werden können. Der Gletscherbruch auf der Marmolata wird kein Einzelfall mehr bleiben. Das Risiko ähnlicher Fälle wird immer grösser. Grund dafür sind die steigenden Temperaturen sowie der geringe Schneefall im Winter. Letzterer ist jedoch wichtig, um die Eisschichten der Gletscher zu schützen. Daraufhin folgten noch ein warmer Frühling und nun die Hitzewelle – besonders in Norditalien. Die Temperaturverhältnisse auf dem Gletscher entsprechen den Werten von Mitte August, und nicht denen von Anfang Juli. Suchaktionen laufen noch auf Hochtouren, sind aufgrund der hohen Einsturzgefahr jedoch nur eingeschränkt durchführbar. Bisher wurde der Tod von sieben Bergsteigerinnen und Bergsteigern bestätigt. Acht Menschen wurden teils schwer verletzt, ebenso viele werden noch vermisst.
Klimaschutz: Kartoffeln statt Reis
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- Geschrieben von Urs Fitze
Um bis zu einem Viertel liessen sich in China die Klimagas-Emission und Umweltschäden beim Anbau von Grundnahrungsmitteln reduzieren, wenn mehr Kartoffeln statt Reis gegessen würden. Das berichtet eine Forschergruppe im Wissenschaftsmagazin «Nature Food». Schon 2015 hatte die chinesische Regierung eine nationale Strategie ausgerufen, um der Kartoffel als Grundnahrungsmittel mehr Popularität zu verleihen. Damit, so das Ziel, sollte die Ernährungssicherheit verbessert werden. Schon 2020 sollten danach Kartoffeln einen Anteil von 30 Prozent ausmachen. Traditionellerweise werden Kartoffeln in China vor allem als Beilage zu Reisgerichten gereicht. Nun sollen sie vermehrt zum Hauptgericht werden, was, wie die Forschergruppe zeigt, auch dem Klima hilft, einerseits wegen des generell geringeren Bedarfes vor allem an Bewässerung und dem damit verbundenen Ausstoss an Methan, anderseits, um Kartoffel-Importe zu vermeiden. Tatsächlich, so berichtet Carbonbrief.org, sind Lebensmitteltransporte weltweit für rund ein Drittel der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Doch der Teufel könnte im Detail stecken. Wenn nämlich der Kartoffelanteil an der Agrarfläche Chinas von derzeit sechs Prozent deutlich gesteigert werden sollte, würde das fast zwangsläufig auf Kosten des Reises gehen. Und es steht in den Sternen, ob eine Bevölkerung, für die Reis das mit Abstand wichtigste Grundnahrungsmittel ist, die Bereitschaft, auf Kartoffeln umzustellen, tatsächlich so gross ist, wie sich das die staatlichen Planer vorstellen. Das könnte etwa zur Folge haben, dass vermehrt Reis importiert wird, während die Kartoffel-Überschüsse exportiert würden.
Greenwashing für Atom und Gas?
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- Geschrieben von Davide De Martis
Das EU-Parlament hat entschieden: Erdgas und Atomkraft gelten nun als «grüne» Energien. Von den 705 Abgeordneten widersprachen nur 278 der Kommission, die ihren Vorschlag durchsetzen konnte. Besonders Sozialdemokraten und Grüne sind über diese Entscheidung entrüstet. In Bezug auf die Taxonomie sprach Joachim Schuster, wirtschafts- und finanzpolitischer Sprecher der Europa-SPD, von einer «Mogelpackung» und von «Greenwashing». Die Entscheidung beruht eher auf den Interessen der verschiedenen Mitgliedsländer und ist somit ein vorläufiger Kompromiss. Ziel der EU-Taxonomie ist ein klimaneutrales Wirtschaften bis 2050. Die Geldströme der europäischen Wirtschaft sollen in umweltfreundliche Investitionen fliessen. Ob mit Erdgas und Atomkraft die sechs Eckpunkte der Taxonomie eingehalten werden können, bleibt fraglich. Die Empfehlung gilt für beide Technologien nur befristet, in etwa solange, bis neue erneuerbare Energien in ausreichender Menge zur Verfügung stehen, um auf Erdgas und Atomkraft dauerhaft verzichten zu können. Kritikerinnen und Kritiker wenden ein, damit würde die Finanzströme gerade in die falsche Richtung gelenkt. Um den Entscheid der Kommission rückgängig zu machen, bevor dieser 2023 in Kraft tritt, müssten sich mindestens 20 Länder dagegenstellen. Luxemburg und Österreich haben sich bereits dazu entschieden, gemeinsam vor dem Europäischen Gerichtshof gegen die Taxonomie vorzugehen. Eine notwendige Mehrheit zu erreichen, scheint jedoch ausser Reichweite.
Kritik an Sicherheitstest am AKW Beznau 1
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- Geschrieben von Manuela Ziegler
Studie des Öko-Instituts löst neue Zweifel an Sicherheit des ältesten Schweizer Kernkraftwerks aus. Die Tests seien nicht stichhaltig gewesen. Die Schweizerische Energiestiftung fordert, Beznau 1 sofort vom Netz zu nehmen.

