Bergbau, Stahlerzeugung, Zement-, Papier-, Aluminium- und Chemieindustrie brauchen zusammen weltweit mehr Energie als der ganze Verkehrssektor. Neun Gigatonnen Kohlendioxid stossen diese Industrien jährlich in die Atmosphäre aus. Das ist beinahe soviel wie in China (10,17 Gigatonnen), dem mit Abstand grössten Emittenten von Treibhausgasen weltweit. Da liegt es auf der Hand, zu überprüfen, ob diese Schlüsselindustrien für die Energiewende auf Kurs sind, um das Ziel der Pariser Klimakonferenz, eine klimagasfreie Welt bis 2050, zu erreichen. Genau dies hat die Transition Pathway Initiative (TPI) getan, ein weltweiter Verbund aus Anlegerinnen und Anleger, unter ihnen der Ökopensionfonds der anglikanischen Kirche Englands, um all jenen, die genug Geld haben, Hilfsmittel in die Hand zu geben, mit denen sie entscheiden können, ob die Unternehmen, in die sie ihr Geld stecken, auf Kurs sind in Richtung einer CO2-freien Wirtschaft. Da lässt sich etwa entnehmen, dass dem Management des Elektroautokonzern Tesla auf der fünfstufigen Skala nur eine bescheidene Eins attestiert wird, was bedeutet, dass das Klimathema in der Konzernspitze angekommen ist, diese aber weitgehend darauf verzichtet, konkrete Massnahmen im Unternehmen zu treffen. Andere Marken, unter ihnen BMW, Honda oder Fiat Chrysler, erhalten die Höchstnote, weil die Erreichung der Klimaziele oberste Priorität geniesst. TPI betrachtet dabei ganze Branchen, identifiziert die Spitzenreiter und jene, die noch Aufholbedarf haben. Bei den energieintensivsten Unternehmen wäre dabei das Potenzial am grössten für signifikante Fortschritte. Dazu hat TPO 111 an der Börse kotierte Firmen mit einem Börsenwert von 856 Milliarden Dollar genauer betrachtet und benotet. Das Ergebnis ist ernüchternd. Nur gerade 16 Unternehmen sind auf Kurs, sechs von ihnen sind mit der Höchstnote bewertet worden. «Wir befinden uns am Anfang des Jahrzehnts, das den grossen Wandel einleiten soll. Wir brauchen gerade in diesen für den Klimawandel so bedeutenden Firmen grosse Fortschritte», bilanziert Adam Matthews, Co-Vorsitzender von TPI. Es sei stossend, dass so wenige Firmen auf Kurs seien, denn es sei klar, dass es neue industrielle Prozesse braucht, die auf einer Kreislaufwirtschaft basieren. Besonders gross ist der Rückstand in der Papier- und Aluminiumproduktion, während immerhin sechs Stahlproduzenten auf Kurs seien. «Wir sprechen von den Schlüsselindustrien für die globale Wirtschaft, für die die Dekarbonisierung besonders herausfordernd ist,» so Matthews in seinem Pressestatement. «Aber sie sind für neun Millionen Tonnen Treibhausgase verantwortlich.» Es gelte, jetzt die Weichen zu stellen. «In diesem Jahrzehnt wird sich entscheiden, welche Rolle diese Industrien tatsächlich zu spielen gedenken». Anderseits liefen diese Unternehmen Gefahr, das Investoreninteresse zu verlieren. «Die Lösungen liegen auf dem Tisch, vom Recycling bis zu neuen industriellen Prozessen, und die Investorengemeinde ist bereit, diesen Weg zu unterstützen.»
 

Die Welt ist nicht auf Klimakurs

Afrika zeichne für zwei Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich, erklärt der senegalesische Philosoph Felwine Sarr im – sehr sehenswerten – Dokumentarfilm «Wer wir waren». Und nun werde von den Afrikanern verlangt, dass auch sie ihr Scherflein beitragen, um die Folgen des Klimawandels zu begrenzen. Ein «Wir-Gefühl» werde heraufbeschworen. Das sei in Ordnung, aber das ändere auch nichts daran, dass die Verantwortung hauptsächlich bei den Verursachern liege. Und das seien die Industriestaaten. «Wie kriegen wir Afrikaner es hin, sie zu überzeugen, dass wir dabei sind beim Klimaschutz, aber dass sie es sind, die vorangehen müssen?» Das Misstrauen ist durchaus angebracht. Denn im Vorfeld des nächsten grossen Klimagipfels im November im schottischen Glasgow ist der Zeitpunkt gekommen, dass die Staaten Farbe bekennen. Das Pariser Klimaabkommen von 2015 sieht nämlich vor, dass die Staatenwelt im Rhythmus von fünf Jahren ihre nationalen Reduktionsziele festlegt, diese bei der Uno einreicht und erläutert. Wegen der Corona-Epidemie erhielten die 195 Staaten, die das Abkommen ratifiziert haben, ein Jahr mehr Zeit bis 30. Juli 2021. Doch nur 110 Länder, unter ihnen knapp 50 sogenannte «verwundbare Staaten», haben dieses Soll erfüllt. «Das ist meilenweit von einem befriedigenden Ergebnis entfernt», kommentiert Patricia Espinosa, Generalsekretärin der Klimarahmenkonvention der UNO in Bonn, in einem Statement. Dazu komme, dass eine ganze Reihe von Staaten die Vorgaben, um auf dem Kurs einer maximalen Erwärmung von 1,5 Grad bis 2050 zu bleiben, bei weitem verfehlen, unter ihnen Australien, Brasilien, Mexiko, Russland oder Indonesien. Zu den prominentesten Abwesenden zählen laut einem Bericht von climatechangenews.com China, Indien, Saudi-Arabien und Südafrika.
 

Disput um grünes EU-Label für Atomkraft

 
Während in Finnland mit über 12 Jahren Verzögerung das aktuell grösste Atomkraftwerk Europas kurz vor der Inbetriebnahme steht, ringen in Brüssel die atomaren Lobbyisten um die Aufnahme der Atomenergie in die begehrte «Do Not Significant Harm» - Liste, die Zugang zu günstigeren Krediten ermöglicht. Denn sieben EU-Mitgliedsstaaten wollen nicht von der Atomkraft lassen.
 

Ein Finger am Atombombenabzug ist zuwenig

«Für jeden, der die verstörenden Vorgänge auf dem Capitol Hill und die empörende Rolle, die Präsident Donald Trump dabei als Anführer spielte, muss klar sein: Der Präsident der Vereinigten Staaten spinnt und ist eine Bedrohung nicht nur für die Demokratie, sondern auch für unser Überleben». Der 93-jährige Politveteran William J. Perry, von 1994 – 1997 US-amerikanischer Verteidigungsminister, nimmt zusammen mit seinem Co-Autoren, dem Politologen Tom Collina, im Nachrichtenmagazin «Politico» kein Blatt vor den Mund. Denn tatsächlich hätte es Trump in seinem Finger, jederzeit einen Atomkrieg zu entfesseln. Die Kompetenz liegt alleine beim Präsidenten. Unglücklicherweise, so die beiden Autoren, bestünde die einzige Möglichkeit, das atomare Waffenarsenal vor missbräuchlicher Nutzung durch einen instabilen Präsidenten zu schützen, diesen nicht zu wählen. «Warum gehen wir dieses Risiko ein? Glauben wir wirklich, dass Trump in der Lage ist, verantwortlich genug zu handeln, um ihn mit der Macht auszustatten, das Ende der Welt zu besiegeln?» Doch diese Frage gelte auch ganz generell. «Wir sollen uns im Klaren sein, dass kein Mensch die Macht in Händen haben soll, unsere Zivilisation auszulöschen.» Es sei höchste Zeit, den «nuklearen Fussball» loszuwerden, den Koffer, der die Codes enthält, mit dem der Präsident, und nur er, Hunderte Atomraketen starten kann. Harry Truman, der 1945 die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki befohlen hatte, hatte danach – reichlich blauäugig - entschieden, diese Waffe nie mehr einzusetzen. Künftig sollten Atombombeneinsätze ausdrücklich nur noch auf Befehl des Präsidenten als Vertreter der zivilen Gewalt möglich sein. Seither reist jeder Präsident mit dem «Nuclear Football». Nie geklärt wurden hingegen Fragen, was bei Fehlalarmen zu tun sei oder wie mit einem Präsidenten umgegangen werden solle, der psychisch instabil sei. Im Falle von Donald Trump soll  die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, sich bei den zuständigen militärischen Stellen rückversichert haben, dass diese einen entsprechenden Befehl verweigern würden. Doch auch wenn mit dem Ende von Trumps Amtszeit Grund zum Aufatmen bestehe, bleibe das grundsätzliche Problem ungelöst. Joe Biden solle deshalb unmittelbar nach seinem Amtsanstritt verfügen, dass er künftig die Kompetenz zum Atombombeneinsatz mit einer ausgewählten Gruppe von Kongress-Mitglieder teilen werde und sich von der Befehlsgewalt zum Einsatz der terrestrischen Atombomben ganz zurückziehen. Denn diese gelten als besonders verwundbar bei einem gegnerischen Erstschlag und könnten deshalb bei Fehlalarmen in einem «Nutze sie oder verliere sie»-Entscheid zum Einsatz kommen. «Diese Raketen brauchen wir nicht für die nukleare Abschreckung, dafür genügen die Atombomben in den U-Booten.»  
 

Drei Negativrekorde für das Klima

Noch nie waren die Konzentration der Treibhausgase in unserer Atmosphäre, der Anstieg des globalen Meeresspiegels und der Wärmegehalt der Ozeane so hoch wie im Jahr 2021. Das bestätigt die US-Klimabehörde NOAA im jährlichen Klimabericht. Wie im sogenannten «State of the Climate»-Bericht steht, ist der Kohlendioxidgehalt in der Erdatmosphäre der höchste seit mindestens einer Million Jahren. Doch auch die Methankonzentration erreichte die höchsten Werte, seit die Aufzeichnungen begonnen wurden. 2021 zählt zu den sechs wärmsten Jahren seit Mitte des 18. Jahrhunderts. 2015 bis 2021 waren zudem die wärmsten Jahre seit Messbeginn. Das wiederum wirkt sich auf die Temperaturen der Ozeane aus, deren Wärmegehalt von der Oberfläche bis zu 2000 Metern Tiefe ebenfalls einen ernüchternden Rekord aufstellen. Die ansteigende Wärme des Meeres trägt zudem zur Ausdehnung der Wassermassen bei. Mittlerweile liegt das Meeresniveau etwa 97 Millimeter höher als 1993.
 

Ein unerwünschtes Geschenk für künftige Generationen

Der erste Welt Nuklear-Abfall Report (WNWR) zeigt 70 Jahre nach Beginn des Atomstrom-Zeitalters eine ernüchternde Bilanz. Ausser Finnland und mit Abstrichen Schweden und Frankreich hat kein Land ein funktionierendes Konzept für die Endlagerung von Radioaktiven Abfällen.